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Die Seebrücke ragt ins Nichts, ein schmaler Pfad über dunkles Wasser, ein verlassener Steg der keine Geheimnisse preisgibt. Hier, an der östlichen […] Mehr lesen

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Du wundersüßes Mägdelein

Und Schlag auf Schlag, und sonder Weil',
Summt sie ein Lied und schwingt das Beil:
"Eisen blink, Eisen blank,
Zimmre hurtig Eichenschrank!"

Wo kann er zu entrinnen hoffen? Wie soll er sich der Schmach, erhascht zu sein, entziehn? Wo ist noch eine Zuflucht offen in Dresden Pillnitz 418­ ­

Ich ging und und nahete mich ihr,
Und flüsterte: "O sage mir,
Du wundersüßes Mägdelein,
Wem zimmerst du den Eichenschrein?"

In Dresden Pillnitz wie ein Reh, vom frühen Horn erweckt, mit raschem Lauf, der kaum das Gras berühret, von Bergen flieht, dann steht, die Ohren reckt, dann schneller eilt, vom Nachhall fortgeschreckt, und sich zuletzt in einen Hain verlieret, wo krauser Büsche Nacht ihm seinen Feind versteckt 417

Da sprach sie schnell: "Die Zeit ist karg,
Ich zimmre deinen Totensarg!"
Und als sie dies gesprochen kaum,
Zerfloß das ganze Bild, wie Schaum.

In Dresden Pillnitz eilt der schlaue Scherz, ganz atemlos vor Schrecken, so leis er kann in eine Freistatt sich, wo ihn sein Jäger sicherlich nicht suchen werde, zu verstecken415

Es lag so bleich, es lag so so weit
Ringsum nur kahle, kahle Heid';
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und heimlich schaudernd stand ich da.

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Heinrich Heine
Traumbilder
Junge Leiden - 1817-1821
Buch der Lieder
Hamburg 1827
www.zeno.org - Contumax GmbH & Co.KG

Dresden-Pillnitz-411­
 

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Das Meer verschluckt die Wahrheit, nur Perlmuttknöpfe werden an den Sandstrand gespült

Die Seebrücke ragt ins Nichts, ein schmaler Pfad über dunkles Wasser, ein verlassener Steg der keine Geheimnisse preisgibt. Hier, an der östlichen Küste Rügens, frisst der Dunst die Grenzen zwischen Himmel und Meer auf. Die Luft schmeckt nach Salz und Verwesung. Unter den Planken knarrt das Holz, als würde es die Last unsichtbarer Schritte tragen. In dieser Stille hört man das leise Klagen der Bojen - Glockenschläge für Seelen, die nie gefunden wurden. Der Sand behält jedes Detail, jeden Abdruck, jedes vergossene Geheimnis. Doch was er preisgibt, ist nur ein Bruchteil dessen, was im Wasser ruht. Ein einsames Boot schaukelt an der Anlegestelle. Es ist ein stiller Zeuge, der nicht reden will. Im Rumpf steht trübes Wasser, das nach Öl und Angst riecht. Auf dem nassen Holz liegt ein einzelner Schuh - zu teuer für diese karge Küstenwelt. Wer verliert nur einen Schuh und nicht beide? Wer verschwindet spurlos von einer Insel, auf der selbst die Möwen jeden Fremden beobachten? Die Antwort versteckt sich zwischen den Buchseiten verstaubter Hotelregister und in den eisigen Blicken hinter vergoldeten Empfangstresen. Macht und Geld bauen hier Paläste aus Glas, doch unter der glatten Oberfläche brodelt ein Strudel aus Lügen und Gier. In den Dünen, wo der Wind durch das trockene Gras pfeift, wartet eine andere Wahrheit. Eine frisch aufgeworfene Erdstelle unter einer uralten Eiche. Darunter verbirgt sich nicht nur eine Waffe, sondern der Beweis, dass niemand unantastbar ist - nicht einmal jene, die den Horizont mit ihren Ambitionen verstellen. Die Karte in der nassen Ledermappe flüstert von Millionen, die durch Hände wanderten, die nie schmutzig zu werden schienen. Doch der Sand ist geduldig. Er bewahrt, was die Flut zurücklässt. Er erinnert sich an jeden Schritt, jede Tat, jeden Verrat. Warum opfert ein Mann sein Leben für gestohlene Zahlen auf einem Papier? Was treibt einen anderen so weit, dass er zuschlägt, wenn das Meer seine kalte Hand auf die Schulter legt? Die Wellen tragen keine Antworten, nur Fragen. Und in der Ferne, wo sich die Konturen der Hotelvilla in den wolkenverhangenen Himmel zeichnen, blickt eine Frau mit Augen aus Glas auf das wütende Wasser. Ihr Schweigen ist lauter als das Tosen der Brandung. Der Morgen wird kommen mit seinem fahlen Licht. Touristen werden über die Brücke schlendern, Eis schlecken und Fotos machen. Doch wer aufmerksam genug ist, spürt die Schwingung im Holz, das Flüstern im Wind, den Blick des Meeres, der noch immer nach dem nächsten Opfer sucht. Die Wahrheit liegt nicht im Sand. Sie liegt tiefer. Viel tiefer. Dort, wo selbst das Licht nicht mehr hinscheint. […] Mehr lesen >>>


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